Oktober 2010: Seit 25 Jahren gibt es Edith Schlegels Stillgruppen

Stillgruppe
„Schnell, die Milchbar öffnen", kommentiert Hebamme Edith Schlegel schon mal augenzwinkernd lautstark geäußerte Bedürfnisse kleiner Erdenbürger. Esther Kern legt den kleinen Franz-Xaver an. Auf den Schemel, den Edith Schlegel ihr bringt, stellt sie dankbar ihren rechten Fuß ab. Das entspannt. Hunderte von jungen Müttern hat die Hebamme seit 1985 mit Tipps und Tricks für den Stillalltag stark gemacht. Im Herbst feiern die Stillgruppen 25-jähriges Bestehen. Zum Geburtstag bekam die Stillpraxis endlich eine feste Bleibe am Kostenzer Weg 8 in Ittling.
 
Die Idee für eine Stillgruppe habe sie zusammen mit der Geburtshilfeabteilung des Klinikums St. Elisabeth gehabt, erinnert sich die Hebamme. Im Herbst 1985 trafen sich ein Arzt, eine Kinderkrankenschwester, stillerfahrene Mütter und sie selbst zum ersten Mal. „Es kamen ganz schnell viele Frauen dazu. Der Zuspruch war von Anfang an enorm", blickt Edith Schlegel zurück.
 
Eine feste Heimat fehlte der Stillgruppe bisher. In Räumen bei der Jakobskirche, im Haus des Kinderschutzbunds, im Mütter-Väter-Zentrum und zuletzt im Mehrgenerationenhaus fanden die jungen Mütter Unterschlupf. "Wir sind oft umgezogen." Jetzt hat das Nomadendasein ein Ende: "Seit 1. September gibt es eine eigene Stillpraxis in neuen Räumen", freut sich die Hebamme. Aktuell leitet Edith Schlegel zwei Stillgruppen jeweils mittwochs - eine am Vormittag und eine am Nachmittag (Kontakt: 09421/74329). Mehr Stillgruppen sind möglich. "Wichtig ist mir, dass die Gruppe nicht zu groß ist." Maximal nimmt die Hebamme acht Mütter pro Gruppe, die dann überschaubar bleibt. Bei einem Frühstück oder Kaffee und Kuchen gibt es im 14-tägigen Rhythmus Informationen rund ums Stillen. Die Mütter haben Gelegenheit, sich kennenzulernen und untereinander auszutauschen. Die Babys werden jedesmal gewogen. Edith Schlegel steht für persönliche Stillberatungen zur Verfügung. Seit 2003 ist sie IBCLC Stillund Laktationsberaterin. Die Kosten für die Stillberatung werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.
 
Manche Mütter kommen nur ein-, zweimal in die Stillgruppe, andere ein ganzes Jahr. „Die Frauen können das so machen, wie sie es wollen." Auch die Stilldauer kann jeder selbst bestimmen. „Abstillen ist etwas ganz Individuelles." WHO und UNICEF raten Müttern, sechs Monate ausschließlich zu stillen, nennt die Hebamme die offizielle Empfehlung.
 
Nach dem Krieg sei Babynahrung aggressiv beworben worden mit der Folge, dass in den 1960er bis 1980er Jahren ganz wenig gestillt wurde. Heute werde wieder mehr gestillt. „60 bis 70 Prozent der Mütter fangen damit an", erzählt die Hebamme. Gründe dafür gibt es viele. „Weil es das Beste fürs Kind ist", sagt Esther Kern, Mutter des achteinhalb Wochen alten Franz-Xaver. „Ich werde auf alle Fälle sechs Monate stillen. Dann schauen wir mal." Auch Edith Schlegel hat ihre beiden Söhne gestillt.
 

Fürs Stillen spricht, dass es sehr praktisch ist, weil die Milch immer optimal zusammengesetzt, richtig temperiert und auch noch sehr hübsch verpackt ist, sagt die Hebamme schmunzelnd. Stillen stärkt die Abwehr des Kindes. Auch die Mutter hat durch das Stillen ein geringeres Risiko, an Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs sowie Osteoporose zu erkranken.

 
 
Lesen Sie hier den dazu veröffentlichten Artikel aus dem Straubinger-Tagblatt.