Januar 2012: Mutter mit 40 – heute keine Seltenheit

Immer mehr Frauen bekommen ihr Kind erst in späteren Jahren - bei vielen steht die berufliche Karriere vor dem Gedanken ans Kinderkriegen. „40-jährige Erstgebärende sind heute im Kreißsaal keine Seltenheit mehr", sagt Birgit Griesbauer, Hebamme im Klinikum St. Elisabeth. Vor zehn Jahren galten werdende Mütter schon mit 28 als „alte Erstgebärende", heute spricht man davon erst, wenn die Frauen 35 Jahre
und älter sind.
 

Der gesellschaftliche Zeitgeist entspricht in dieser Hinsicht nicht ganz den medizinischen Empfehlungen: Zwar sind laut einer Statistik des Bayerischen Landesamtes die meisten werdenden Mütter in Straubing zwischen 25 und 30 Jahre alt, jedoch gibt es deutlich mehr Frauen, die sich erst zwischen 35 und 40 Jahren für ein Kind entscheiden, als es noch in den 80ern der Fall war. Ab 35 gelten Frauen aus medizinischer Sicht als Risikoschwangere, weil sich mit jedem Jahr das Risiko erhöht, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. Und auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Baby mit einem Kaiserschnitt geboren werden muss, erklärt Dr. Alexander Neimark, Leitender Oberarzt in der Gynäkologie im Krankenhaus.
 

Trotzdem entscheiden sich viele Paare bewusst erst zu einem späteren Zeitpunkt für eine Familie. Für das berufliche Fortkommen wird ein Kind eher als Last angesehen. „Wir hatten vor Kurzem eine 34-Jährige, die gar nicht glücklich darüber war, jetzt schon schwanger zu sein, weil sie beruflich gerade auf der Karriereleiter nach oben klettert", so Griesbauer. Manche Frauen werden aber auch sehr spät erst schwanger, weil es vorher mit dem Kinder kriegen nicht geklappt hat. So sind für viele „ältere" Eltern, die Kinder absolute Wunschkinder. „Die meisten entscheiden sich dann ganz bewusst für eine Familie." Früher hingegen war eine Schwangerschaft mit 40 ein Unfall: „Meine Uroma hat mit 44 noch einen Zwilling bekommen und das war nicht geplant und damals höchst ungewöhnlich." Heute seien Frauen, die ihr zweites oder drittes Baby zur Welt bringen oft schon 45 Jahre alt. Dafür lässt die Geburt des Geschwisterchens meist nicht allzu lange auf sich warten. Der durchschnittliche Abstand seien zwei bis vier Jahre, wohingegen viele junge Mütter die Option war nehmen, das zweite Kind erst zu bekommen, wenn das Erstgeborene dem Gröbsten entwachsen und in der Schule ist.
  

Was den günstigsten Zeitpunkt betrifft, sieht man beim Jugendamt und bei der Kinderschutzstelle der Stadt eher die sehr jungen Familien um Anfang 20 als Risikofaktor. „Eine 16-Jährige hat ganz sicher nicht den Stand und die Lebenserfahrung wie eine 30-Jährige", sagt Thomas Heinicke, Leiter der Kinderschutzstelle „Koki". Es komme vor allem auf das Umfeld an, ob das Projekt „Familie" klappe.
 
„In späteren Lebensjahren geht man vielleicht bewusster an die Sache heran, hat schon genug erlebt und glaubt, nichts mehr zu verpassen", vermutet Markus Wimmer, Leiter des Amtes für soziale Dienste. Doch wenn es um Verunsicherungen in der Erziehung gehe, seien ältere Mütter und Väter nicht unbedingt die besseren Eltern. „Das zieht sich durch alle Altersklassen." Und da spielen auch andere Faktoren eine Rolle. „Dem Kind selbst wird es sicherlich egal sein, wie alt seine Eltern sind. Ein Kind wird seine Eltern immer lieben."

  

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