A echt‘s Straubinger Kindl kommt im Klinikum St. Elisabeth auf die Welt

Hebammen Straubing
Wenig Farbe an den Wänden, weiße Fenster und große Glasfronten. Dieses Bild dominiert in den Gängen des Klinikums St. Elisabeth in Straubing. Im zweiten Stock gegenüber der Treppe befindet sich ein weißes Schild mit der roten Schrift "Entbindung". Was so nüchtern klingt, ist der Ort, an dem die echten Straubinger Kindl geboren werden.
 

Seit Anfang 1975 gibt es die Geburtshilfestation am Straubinger Klinikum. Zuvor kamen die Kinder im Monikaheim auf die Welt. Im vergangenen Jahr wurden im Straubinger Klinikum 528 Kinder geboren. Die Geburtshilfestation und der dazugehörige Kreißsaal werden gemeinsam vom Klinikum und von den Straubinger Hebammen betreut.

 

Der Weg zum Kreißsaal führt den Gang entlang vorbei an der Tür "Entsorgung" - hier werden Schmutzwäsche und Essensreste entsorgt - hin zu einer Doppeltür. Dort geht es hinein in den Trakt mit dem Kreißsaal. Durch eine weitere Doppeltür kommt man in den Wartebereich. Dort hat man nicht mehr das Gefühl, in einem Krankenhaus zu sein. Die Wände sind in den Farben des Regenbogens vertäfelt und ein Storch begrüßt einen. Ein Schild mit der Aufschrift "Bitte hier läuten" fällt sofort ins Auge. Kaum ist die Taste gedrückt, geht auch schon die Tür auf und die Hebammen Martina Seifert und Conny Brand stetter empfangen die werdenden Eltern mit einem Lächeln und bitten sie einzutreten.

Conny Brandstetter ist seit 1992 Hebamme. Nach ihrer Ausbildung in Würzburg kam die Wallersdorferin nach Straubing. "Während eines sozialen Jahres nach dem Abitur habe ich im Deggendorfer Klinikum auf verschiedenen Stationen gearbeitet. Dabei war ich auch öfter im Kreißsaal bei Geburten dabei. Danach habe ich gewusst, dass ich Hebamme werden will." Ihre Kollegin Martina Seifert ist schon länger Hebamme. Eigentlich wollte Martina Seifert Kinderkrankenschwester werden. "Aber damals gab es keinen Ausbildungsplatz und so habe ich beschlossen, Hebamme zu werden." So geschehen 1981 in Halle an der Saale. Die beiden und acht weitere Hebammen sorgen dafür, dass bei der Geburt alles glattgeht.
 

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Ein multifunktionales Bett für alle Bedürfnisse
 

Im Kreißsaal finden sich alle Geräte, die man für eine Geburt benötigt oder vielleicht brauchen könnte - wie etwa zur Messung der Herzfrequenz des ungeborenen Straubinger Kindls und zur Messung der Wehentätigkeit. Dort steht auch das Kreißbett. "Das ist ein multifunktionales Bett, das es ermöglicht, auf alle Wünsche und Bedürfnisse der werdenden Mutter während der Geburt einzugehen", erklärt Conny Brandstetter. "So ein Bett ist auch nicht ganz günstig. Es kostet in etwa so viel wie ein guter Mittelklassewagen. Der Begriff Kreißbett kommt übrigens nicht von der Form des Bettes. "Das Wort stammt vom alten Wort ,Kreischbett' ab. Es kommt ja durchaus auch vor, dass Frauen bei der Geburt ihrem Schmerz lautstark Ausdruck verleihen." Außerdem steht im Kreißsaal eine Waage für das Neugeborene. Für den Notfall ist auch eine externe Sauerstoffversorgung vorhanden. Das ist wichtig, denn die "Geburtshelfer" der echten Straubinger Kindl müssen auf alles vorbereitet sein.
 

Erlebt haben die Hebammen in Straubing so einiges. Auch die Erinnerung an frühere Geburten verblasst nur langsam. Vor allem bei schwierigen Geburten. "Weil man mitgekämpft und mitgebangt hat und froh war, dass es am Ende positiv ausgegangen ist", so Conny Brandstetter. Reibungslose und schnelle Geburten hingegen geraten schneller in Vergessenheit. Doch Routine sind die Entbindungen nicht. Auch wenn es sehr viele sind. Darunter sind auch einige prominente Straubinger Familien. Einen Unterschied macht das für die beiden Hebammen aber nicht. "Egal ob das Sportler, Mediziner oder andere Straubinger Bürger sind. Für uns sind sie im Kreißsaal alle gleich." Auch innerhalb des Klinikums gibt es kein Standesdenken. Ärzte und Hebammen arbeiten Hand in Hand. "Wir helfen uns gegenseitig und profitieren davon", erklärt Conny Brandstetter.
 

Hebammen müssen ihre Unschuld beweisen
 

Die Arbeit der Hebammen hat sich im Vergleich zu vor 20 Jahren deutlich geändert. Vor allem die Dokumentationspflicht während einer Geburt macht viermal so viel Arbeit wie früher. Dabei müssen die Hebammen alles aufschreiben, was passiert. "Also auch Dinge wie: Patientin geht auf die Toilette", erklärt Conny Brandstetter. Und Martina Seifert fügt hinzu: "Und man muss viel mehr aufklären über die Dinge, die man macht, um sich für den Fall der Fälle abzusichern." Dann müssen die Hebammen beweisen, dass sie alles richtig gemacht haben. Es gilt also nicht der Rechtsgrundsatz, dass die Schuld bewiesen werden muss, sondern die Hebammen müssen ihre Unschuld beweisen.
 

Eine weitere Veränderung in der Arbeit der Hebammen kam durch das Internet. Die werdenden Mütter sind aufgeklärter. "Manchmal ist das Internet hier ein Fluch. Wenn die Frauen ihre Informationen vom Geburtsvorbereitungskurs, dem Gynäkologen und meinetwegen noch aus einem Buch hätten, dann wäre das o.k. Mehr Informationen führen in der Regel zu Verunsicherung", erklärt Martina Seifert. Nach vier bis 48 Stunden erfüllt Babygeschrei den Kreißsaal. "Wenn da ein kleiner Mensch herausschlüpft und seinen ersten Atemzug macht, dann ist es eine innere Befriedigung und Bestätigung, die man wahrscheinlich in wenigen Berufen so erfährt." Ein weiteres echtes Straubinger Kindl ist geboren. Das darf erst einmal zu seiner Mama. Danach geht es gleich zum Doktor. Schließlich muss überprüft werden, ob der neue Erdenbürger auch topfit ist und auf die Welt losgelassen werden kann. Wenn das alles erledigt ist und auch die Größe und der Fußabdruck genommen wurden, dann darf das echte Straubinger Kindl sich in aller Ruhe an Mama und Papa gewöhnen, bevor es schließlich auf die Neugeborenenstation des Klinikums verlegt wird.
 

Conny Brandstetter bringt die glücklichen Eltern mit ihrem Baby noch bis zur Tür. "Da hat man ein Gefühl des Wohlbefindens. Das gibt einem schon so einen Kick. Das ist der Grund, warum wir den Beruf schon über 20 Jahre machen." Den wohl noch größeren Kick allerdings bekommen die Eltern bei der Geburt. Schließlich sind sie ab sofort für dieses echte Straubinger Kindl verantwortlich.
 

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